Geistliches Wort zum Ostersonntag

 

Die Abwesenheit Gottes am Karfreitag auszuhalten, war für Jesus das Schwerste überhaupt. Sein Vater, den er so fest im Herzen trug, war ihm entschwunden. In tiefster Verzweiflung schreit er sein „warum“ zum dunklen Himmel 3)

Das ist kein taktisches Geplänkel, mit dem die Evangelisten die Auferstehung inszenierend einläuten: nein, - das ist bittere Realität.

Wer etwas vom wahren Leben versteht, der hat von der schwarzen Nacht der Gottverlassenheit – zumindest – eine Ahnung.

Ich bin froh darüber, dass die Heilige Schrift diese dunkle Seite des Lebens nicht vorschnell ausblendet. Nein, sie lehrt uns genau hinzuschauen und die Augen vor der Realität nicht zu verschließen.

Um es ganz klar zu sagen: die Theologie macht es sich nicht leicht mit der sog. Osterbotschaft. Sie steht zu allen Zeiten vor der Aufgabe, das, was man eigentlich nicht in Worte fassen kann, worüber man aber auch nicht schweigen darf, letztlich doch sagen zu müssen.

Es ist nicht einfach, über die Auferstehung Jesu Christi etwas Vernünftiges und auch Verbindliches zu sagen.

Mit dieser Herausforderung sind wir bei den Schreibern der Evangelien in bester Gesellschaft. Auch und gerade sie tun sich schwer, das, was doch die Mitte unseres Glaubens ausmacht, in Worte zu kleiden.

Deshalb lesen wir da zunächst auch vom blanken Entsetzen.  4)  Dann von massiven Zweifeln 5) und letztlich vom zögerlichen, aber steten Begreifen 6)

Die Auferstehung Jesu ist ja nicht gleichzusetzen mit Mirakeln, frommen Wundererzählungen, wo der moderne Mensch nur lächeln kann. Nein, hier geht es um die grundsätzlichsten Elemente, die bis zum Grund der Welt reichen, 7) die unser innerstes Menschsein ausmachen: es geht um Tod und Leben.

Von Beidem haben wir Erfahrungen zur Genüge. Wir sehnen uns nach Lebendigkeit, und wenn sie uns geschenkt wird, dann kosten wir sie dankbar aus. Aber wir sterben auch die vielen Tode mitten im Leben, - Erfahrungen, vor denen letztlich keiner verschont bleibt.

In den Spannungsfeldern unseres Daseins wechseln sich die Erlebnisse von Tod und Leben ab. Oft halten sie sich die Waage. Am sichtbaren Ende aber steht der Tod. Darum kommt kein Geschöpf vorbei.

Was aber ist nun das Neue, das Unverhoffte, der Einbruch der Osterbotschaft?

Zunächst ganz nüchtern: der Tod und seine vielen Vorboten, - und dann vor allem der abwesende Gott, der nicht antwortet – das alles muss im Leben wirklich ausgehalten werden. Wenn ein Mensch das kann, darf er sich gläubig nennen.

Nicht treffender kann man es sagen, als mit den Worten des Glaubensbekenntnisses: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes. 8)

Ja, Christus hat diese Nacht bis zum Äußersten selbst durchlitten und er wird in Treue in den Gräbern von uns  Menschen ausharren und uns in unserer Trostlosigkeit die Hand halten, bis er am Jüngsten Tag endgültig den Tod vernichtet hat.

Die letzte Antwort kann nicht von uns  kommen. Der Vater selber hat sie gegeben. Scheinbar abwesend, war er doch da. Den unbändigen Kampf zwischen Leben und Tod hat Gott entschieden: 9) Leben – inmitten einer Welt des Todes.

Was ist neu? Am Ende siegt das Leben, denn Christus ist wirklich auferstanden!

Was macht es uns so schwer, diese Antwort aus Gott glaubend anzunehmen?

Es ist eindeutig die unbestreitbare Tatsache, dass der Karfreitag der Menschheit fortdauert. Der Tod in seinen vielen Nuancen wird ganz gewiss auch unser Leben künftig mitbestimmen. Aber, der Tod hat uns seit Ostern nicht mehr im Griff. Der Stachel und der Sieg des Todes ist gebrochen. 10)

Und deshalb gilt uns, gilt der ganzen Welt die Zusage des Auferstandenen: „Habt keine Angst! Fürchtet Euch nicht!“  11)          

                                                              Wolfgang Kesenheimer, Pfr.

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

1)   Introitus zum Hochamt des Osterfestes: Resurrexi, et adhuc tecum sum.

2)   vgl. Josef Mohr. Predigt am Ostersonntag. 12.4.2009 St. Raphael / Heidelberg. Zitiert nach:

      www.st-raphael.kath-hd.de

3)   vgl. Mt. 27, 46

4)   vgl. Mk. 16, 6

5)   vgl. Mt. 28, 8. und  vgl. Mk. 16, 13

6)   vgl. Mk. 16, 14

      u. vgl. Lk. 24, 25

      u. vgl. Joh. 20,25

7)   vgl. Karl Kardinal Lehmann. In: Rhein-Neckar-Zeitung. Osterausgabe 2011. S. 1

8)   aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis der Kirche

9)   vgl. Lehmann. ebd.

10) vgl. 1 Kor 15, 55

11)  Mt. 28, 10

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.