Aktuelles

Menschen am Kreuzweg – Menschen, wie du und ich

Donnerstag, 09.04.

Die Schaulustigen (oder Gaffer?)

5.die Schaulustigen20

 

Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde. Sie übernahmen Jesus. Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. Joh 19,16-17

Die Menschen bleiben, sie wollen sehen, wie das Schauspiel weitergeht, wie er sich schlägt, der König der Juden – und, wie er geschlagen wird.

Sie schauen zu, wie er fällt und sich wieder aufrappelt, wie er schließlich ans Kreuz geschlagen wird und stirbt.

Sie bleiben und wollen sehen was passiert. Die Gründe sind sicher sehr unterschiedlich: Sensationslust, Schadenfreude, das Gefühl selbst davon gekommen zu sein, Mitleid, Machtlosigkeit…….. Sie haben eines gemeinsam, diese Schaulustigen:

Sie bleiben und schauen – aber sie greifen nicht ein.

Mehr als 2000 Jahre später:

Ein Unfall auf der Autobahn, es entsteht ein Stau – natürlich, aber es entsteht auch ein Stau auf der Gegenfahrbahn, wegen „Gaffern“.

Unsere Sensationslust ist ungemindert. Egal welches Unglück passiert, ruckzuck versammelt sich eine Menge Schaulustiger, die möglichst nah am Geschehen sein will, um ja nichts zu verpassen. Ein paar wenige helfen, wie damals am Kreuzweg, Simon von Cyrene, oder Veronika. Sie müssen sich vielleicht erst einen Weg bahnen und wahrscheinlich auch noch gute Ratschläge anhören.

Die anderen aber bleiben und schauen. Aber im Gegensatz zu damals versucht man, das was man sieht möglichst schnell anderen mitzuteilen. Man zückt das Handy, filmt, fotografiert und postet. Und manchmal sind in den sozialen Netzwerken schon die ersten Bilder, bevor es die Rettungskräfte überhaupt geschafft haben, vor Ort zu sein.

Jesus wurde auf seinem Kreuzweg von den Schaulustigen verspottet und verhöhnt.

Jemand der heute in Not gerät, wird durch die Bilder, die über seine Notlage veröffentlicht werden bloßgestellt.

Es hat sich nichts geändert – wir Menschen haben uns nicht geändert.

Ich bin entsetzt!

Wirklich?

Die Schaulustigen – wer ist das? Bin ich das nicht auch?

  • Wenn ich versuche nach einem Unglück möglichst schnell an Informationen zu kommen, um mitreden zu können.
  • Wenn ich viel zu langsam an einem Unfall vorbeifahre, um vielleicht ein paar Details zu erhaschen, die ich weitererzählen kann.
  • Wenn ich eine Auseinandersetzung, oder ein Unrecht beobachte und dann schnell weitergehe, damit ich nicht hineingezogen werde.
  • Wenn ich einen Bettler am Wegrand sehe und auf die andere Seite wechsle.

Es gibt so viele Situationen bei denen ich etwas tun könnte und doch nicht tue, bei denen ich helfen könnte und doch nicht helfe.

Genau deshalb Jesus hast du das Kreuz auf dich genommen!

 

B. Hintermayer-Tilly

 


 

Geistliches Wort zum Gründonnerstag

 

Als die Evangelisten die ehrwürdigen, wie gefüllten Worte vom Ablauf des Abendmahles niederschrieben, da konnten sie bereits auf die vieljährige Erfahrung des Vollzuges dieses Geschehens zurückgreifen. 1)

Denn bald nach der Auferstehung des Herrn begann man, sich in den Häusern zu treffen und das, was Jesus beim letzten Mahl tat, nachzuvollziehen. Man entdeckte in diesem Vollzug des ganz Großen, wie Unbegreiflichen ein ungeheueres Potential.

Der Wunsch, die Szene des Abendmahles nachzuvollziehen, je neu zu erleben, empfand man von Anfang an als sinnstiftend, als Gemeinde-bildend und einigend und als kraftvoll den Glauben stärkend.

In den Häusern bildeten sich Gemeinschaften. Man brach das Brot in herzlicher Gläubigkeit 2) und erfuhr auf diese Weise Jesus als den Anwesenden, der durch den Tod  zum Leben hindurch gegangen ist. Das war der Anfang dessen, was wir „Kirche“ nennen.

Als die Evangelisten ihre Berichte niederschrieben, waren die Worte des Abendmahles schon in Fleisch und Blut der Gläubigen; ritualisiert in gehobener Sprache; hoheitlich, fast verklärt geben sie Zeugnis von Christus, der an diesem Abend geistig sein ganzes Leben bündelt und in nie da gewesener Einzigartigkeit in Brot und Wein hinein verschenkt.

Es kann nicht oft genug betont werden: Dieser Vorgang, dass einer sich bleibend hinein verschenkt in die Gaben der Schöpfung und der Erde, ist in der ganzen Religionsgeschichte einzigartig und einmalig.

Allein schon diese Tatsache ist für uns Christen ein heiliges Vermächtnis, ein großer Schatz, den wir als Kostbarkeit hüten sollen.

Gewiss-, dem Phänomen des Opfers begegnen wir in fast allen Religionen. Die Blickrichtung und  Intension ist aber jeweils eindeutig: die erzürnte Gottheit muss versöhnt werden. Um dies zu bewerkstelligen, hat der Mensch Leistung zu vollbringen. Selbst im Alten Testament ist der Begriff des Opfers noch mit dieser Gottesvorstellung verbunden: Gott, der seinen Tribut fordert und uns nach vollzogenem Opfer wieder sein gnädiges Angesicht zuwendet.

Lediglich Jesaja und Jeremia gehen über dieses einseitige Gottesbild hinaus. Sie beschreiben bereits einen, der sich in Zukunft aus Freiheit opfern wird, der sich selbst für die Menschen zum Opfer macht. 3)

Im Vollzug des Abendmahles korrigiert Jesus alle bisherigen Vorstellungen über Gott. Er ist nicht mehr der eifersüchtelnde, rachsüchtige Gott, der Genugtuung fordert, sondern der Gott der Liebe, der in der vom Menschen gewollten und freiwillig vollzogenen Hingabe erkannt wird.

Diese Erkenntnis beantwortet auch die Frage, woher denn Jesus die Berechtigung, die Autorität nimmt, sein Leben in Brot und Wein hinein zu schenken.

Wäre es bei diesem – zugegeben starken Zeichen – geblieben, so wäre das Abendmahl eine reine Symbolhandlung, die wir heute höchstens in Erinnerung an das Gewesene nachstellen könnten.

Ohne die freiwillige Opferung seines Lebens am Kreuz wäre das Abendmahl nicht verständlich. Es wäre wie eine Währung, ohne Deckung, 4) wie ein Zeichen, ohne Inhalt. Erst der freiwillige Opfertod Jesu, erst dieses Eintreten des Unschuldigen für die Schuldigen gibt dem Geschehen des Abendmahles dieses gewaltige Gericht, das es bis auf den heutigen Tag besitzt.

Durch den Begriff der Freiheit, in der Jesus für uns Menschen eingesprungen ist, bekommt das Wort „Opfer“ eine völlig neue Bedeutung. Indem sich Jesus liebend dem Vater hingibt, zeigt uns der Vater sein wahres Angesicht, das nichts anderes ist, als grundlose, voraussetzungslose Zuwendung zu uns Menschen.

Immer wenn Jesus seine Hingabe in der Eucharistie erkennen lässt, immer wenn wir an dieser bedingungslosen Liebe teilhaben dürfen, zeigt uns der göttliche Vater sein Angesicht.

Wenn wir hier über die Hingabe des Herrn und über unsere Teilhabe daran nachdenken, dürfen wir nicht vergessen, dass der Begriff des Opfers schon oft in der Geschichte missbraucht wurde: sein Leben opfern für Führer, Volk und Reich. Sein Leben opfern für den Sieg des Kommunismus und des Sozialismus.

Wie leicht kann der Wert des Opfers durch Fanatismus pervertiert werden.

 

Ein Faktum scheint wie der geistige Motor des wahren Opfers: der Mensch wächst über sich hinaus, - überschreitet seine Schwellen, seine Kleinheit, seine geistige Begrenztheit.

Den wahren Wert des Opfers erkennen wir darin, ob es aus Freiheit und vor allem aus Liebe gebracht wird. Die Liebe verwandelt letztlich jedes Opfer hinein in die göttliche Dimension. Nur von daher können wir das uns theologisch gefüllte Wort von der „Wandlung“ verstehen. Sie ist nicht ein undurchschaubarer Hokus pokus, sondern die Gestalt gewordene, freiwillig liebende Hingabe, wie sie uns Jesus in reinster Form dargeboten hat.

Für uns heißt das: wir können nur mit Christus leben, wenn wir in sein Opfer eingehen.

Den Weg dahin öffnet uns Sonntag für Sonntag die heilige Liturgie.

Sie muss sich allerdings bewähren; sie muss ihre innere Wahrheit und Stimmigkeit zeigen in unserem alltäglich gelebten, christlichen Leben. „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr tut, was ich an euch getan habe.“ 5)

Lassen wir es also zu, dass der Herr immer wieder unsere müden Herzen ergreift, dass er uns in Bann zieht, wie damals die Jünger im Abendmahlssaal, - dass er uns hinein nimmt in sein Lebensopfer, damit so die Herrlichkeit seines Vaters offenbar wird.

                                                                                                            Wolfgang Kesenheimer, Pfr.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

1)    Die Zeit zwischen Leiden und Sterben des Herrn und der schriftlichen Fassung der Evangelien, sowie des

       1. Korintherbriefes ist die Epoche, in der sich die Urgemeinden etablieren. Gemeindestiftend war dabei die

       wöchentliche Feier der Eucharistie in den Häusern, wie dies in der Apostelgeschichte (2, 42) bezeugt ist.  

2)    vgl. Apg. 2, 42 ff

3)    vgl. Jes. 52, 13 – 53, 12

4)    vgl. Joseph Ratzinger.  Eucharistie – Mitte der Kirche. München 1978. S. 30

5)    Joh. 13, 15

 


 

Menschen am Kreuzweg – Menschen, wie du und ich

Mittwoch, 08.04.

Der Feige

4.Der Feige20

 

Petrus aber saß draußen im Hof. Da trat eine Magd zu ihm und sagte: auch du warst mit diesem Jesus zusammen. Doch er leugnete es vor allen und sagte: Ich weiß nicht wovon du redest. Und als er zum Tor hinausgehen wollte sah ihn eine andere Magd […] Wieder leugnete er und schwor: Ich kenne den Menschen nicht. Wenig später kamen die Leute, die dort standen und sagten zu Petrus: Wirklich, auch du gehörst zu ihnen. Da fing er an zu fluchen und schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht. Gleich darauf krähte ein Hahn.

Mt 26,69-74

„Herr, ich bin bereit mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen!“ (Lk22,33)

Da nimmt er den Mund ziemlich voll, dieser Petrus. In den anderen Evangelien heißt es: „Und wenn alle Anstoß nehmen, ich werde niemals Anstoß nehmen.“

Ich Petrus bin doch dein bester Freund und Freunde gehen miteinander durch dick und dünn, stehen füreinander ein, sind immer füreinander da – das ist doch ganz selbstverständlich  - oder?

Er hat sich so viel vorgenommen dieser Petrus und war dann doch so feige.

Ich habe Freunden auch schon vieles versprochen: Da zu sein, auf jeden Fall Zeit zu haben, und, dass sie mich Tag und Nacht anrufen können, wenn sie mich brauchen.

Und dann, kam der Anruf gerade doch ganz ungünstig, oder ich hatte selber viel um die Ohren und nun wirklich keine Zeit, oder es war mir zu viel dieselbe Geschichte zum gefühlt hundertsten Mal anzuhören.

Aber ich habe mich nicht getraut es dir zu sagen, lieber habe ich das Telefon gar nicht erst abgenommen, oder mich verleugnen lassen. – wie feige von mir.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich vermutlich genauso gehandelt wie Petrus. Wenn ich schon aus Bequemlichkeit meine Freunde im Stich lasse, dann doch wahrscheinlich auch um meine Haut, mein Leben zu retten – wie Petrus.

Was mich tröstet, ist, dass Jesus genau diesen Petrus ausgesucht hat, um ihm sein Vermächtnis anzuvertrauen, wohl wissend wie schwach und feige er ist. Jesus baut auf uns schwachen, fehlerhaften Menschen, weil er uns kennt und trotzdem unendlich liebt.

Und deshalb mag ich Petrus den „Feigen Felsen“

Herr, Jesus Christus, du kennst unsere Schwachheit, unsere Feigheit und unseren Egoismus und trotzdem gehst du für uns in den Tod und schenkst uns deine unendliche Liebe. Dir sei Lob und Dank. Amen

 

B. Hintermayer-Tilly

 


 

Menschen am Kreuzweg – Menschen, wie du und ich

Dienstag, 07.04.

Die Schlafenden

3.die Schlafenden20

 

Darauf kam Jesus mit ihnen zu einem Grundstück, das man Getsemani nennt, und sagte zu den Jüngern: Setzt euch hier, während ich dorthin gehe und bete! Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Traurigkeit und Angst und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf sein Gesicht und betete. […] Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Mt 26,36–40

Bleibt hier und wacht mit mir!

Eine vermeintlich kleine Bitte.

Da sein und mit aushalten!

Die Bitte:

Lasst mich nicht allein in meiner Angst, lasst mich nicht allein in meinem Schmerz!

Haltet mit mir aus!

Bleibt hier und wacht mit mir!

Aber

Es ist so anstrengend mit auszuhalten,

es ist anstrengend deine Angst zu sehen,

es ist anstrengend deinen Schmerz zu ertragen,

Ich bin müde,

ich kann das nicht.

Ich bleibe bei dir, aber mir fallen die Augen zu,

du kannst mich ja wecken wenn du mich brauchst!

So nah und doch so fern.

Du mit deiner Angst und deinem Schmerz

allein in der Dunkelheit

Und ich schlafe und bekomme nichts davon mit.

Du mit deinen Sorgen und deiner Not

allein in der Dunkelheit

Und ich schlafe und bekomme nichts davon mit.

„Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen?“

Gott, wie oft siegt meine Trägheit, macht mich passiv, wo ich aktiv sein müsste, lässt mich schlafen, wo ich wach sein müsste, verschließt mir die Augen vor dem, was nötig wäre.

Herr, ich bin schwach. Verzeihe wo ich gefehlt habe, wo Menschen mich gebraucht hätten. Schenke mir wache Augen und ein waches Herz. Lass mich bleiben und beten für alle in Ängsten und Not. Amen

 

B. Hintermayer-Tilly

 


 

Menschen am Kreuzweg – Menschen, wie du und ich

Montag, 06.04.

Der Unschuldige

2.der Unschuldige20

 

Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache! Mt 27,24

Was kann ich schon ausrichten?

Einer gegen alle!

Tu ich mir das wirklich an?

Auf mich hört ja sowieso keiner!

Und wenn ich mich da jetzt reinknie,

dann bin ich am Ende selber dran!

Was habe ich dann davon?

Da muss ich mich selber schützen.

Ich habe ja gesagt, dass ich da nicht gut finde.

Tja, was soll man da machen?

Wenn die das so wollen, dann sollen sie auch dafür grade stehen.

Ich halte mich da raus.

Ich bin unschuldig an dem was weiter passiert!

Ich wasche meine Hände in Unschuld!

Gelitten unter Pontius Pilatus … War Pilatus der Böse? Ist Pilatus schuld?

Reicht es, nichts zu tun, um unschuldig zu sein?

Herr, wo habe ich andere leiden sehen? Wo habe ich beobachtet, wie jemand zur Schau gestellt wird? Wo war ich erschüttert von dem Unrecht, das jemand erleben musste und habe mich weggedreht, weil man ja doch nichts tun kann?

Bin ich unschuldig?

 

B Hintermayer-Tilly

 


 

Seite 7 von 20

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.