Aktuelles

Geistliches Wort zum 2. österlichen Sonntag –
„Weißer Sonntag“


Verkündigungstext: Joh. 20,19-31

Als am Morgen des Ostersonntags die Glocken zu läuten beginnen, lässt Joh. Wolfgang von
Goethe seine „literarische Figur“ Dr. Faustus sprechen: „Die Botschaft hört’ ich wohl. Allein,
mir fehlt der Glaube.“
Goethe fasst in diesem oft zitierten Wort das Lebensgefühl seiner Zeit zusammen, dessen
Hauptvertreter – zusammen mit anderen er wohl gewesen ist: die Zeit der Aufklärung, –
jene Epoche, wo sich die Menschen von Aussagen der Kirche, die damals nicht hinterfragt
werden durften, lösten. Eine Epoche, wo man die Naturwissenschaften neu entdeckte und
darin allein einen gesicherten Wahrheitsgehalt festzumachen versuchte.
In der „Gärphase“ dieser Epoche war es regelrecht eine Abkehr von Glaube und Kirche, weil
Intellektuelle glaubten, von ihren Aussagen hinters Licht geführt zu sein.
Erst spätere Zeiten, im Grunde erst die Theologien von Karl Rahner; Urs von Balthasar und
Joseph Ratzinger vermochten es, die glückliche und notwendige Verbindung zwischen
Wissenschaft und Glauben wieder her zu stellen. Deshalb durchzieht bei Ratzinger der
Begriff eines denkenden, vernünftigen Glaubens auch seine gesamte Theologie.
Man täte den Schreibern der Evangelien, und vor allem Paulus völlig unrecht, würde man sie
eines unüberlegten, rein auf Gefühlen, ja auf Schwärmereien aufgebauten Glaubens
bezichtigen....

 

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Menschen am Kreuzweg – Menschen, wie du und ich

Ostersonntag, 12.04.

Die Zeuginnen

8.die Zeuginnen20

 

Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht. Und es geschah, während sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen.  Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?  Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:  Der Menschensohn muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen. Da erinnerten sie sich an seine Worte. Und sie kehrten vom Grab zurück und berichteten das alles den Elf und allen Übrigen. Es waren Maria von Magdala, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, und die übrigen Frauen mit ihnen. Sie erzählten es den Aposteln.

Die Frauen am Grab, sie sehen:  Der schwere Stein ist weg, der Leichnam Jesu ist nicht mehr da, das Grab ist leer!

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten – er ist nicht hier sondern auferstanden.“

Der Tod ist überwunden – das Leben hat gesiegt.

Es ist unvorstellbar, es ist unbegreiflich – und doch – es ist so.

Die Frauen am leeren Grab können es bezeugen.

Sie sind erfüllt von Erstaunen und Freude. Mit überfließenden Herzen erzählen sie, das was sie erlebt haben den Aposteln.

Der Tod ist überwunden – das Leben hat gesiegt.

Das Dunkel ist überwunden – das Licht hat gesiegt.

Der Hass ist überwunden- die Liebe hat gesiegt.

Das ist Ostern

Halleluja, lasst uns singen, denn die Freudenzeit ist da. Hoch in Lüften lasst erklingen, was im dunklen Grab geschah:       

Jesus hat den Tod bezwungen und uns allen Sieg errungen. Halleluja Jesus lebt! (H. Bone)

 

Wir wünschen Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Möge das Licht und die Liebe der Auferstehung auch in diesen schwierigen Zeiten in unserem Leben sichtbar und spürbar sein.

 


 

Geistliches Wort zum Ostermontag

 

Schrifttext: Lk 24, 13-35

text

 

Auf diesen Tag, wo wir wieder gemeinsam Eucharistie feiern können und der Herr dann unter uns sein wird, freuen wir uns von ganzem Herzen.
Wir ertragen die gegenwärtige Not aus Solidarität mit allen, denen es wirklich schlecht geht. Wir bitten Christus inständig: bleib bei uns!

                                                                                       Wolfgang Kesenheimer, Pfr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geistliches Wort zum Ostersonntag

 

Die Abwesenheit Gottes am Karfreitag auszuhalten, war für Jesus das Schwerste überhaupt. Sein Vater, den er so fest im Herzen trug, war ihm entschwunden. In tiefster Verzweiflung schreit er sein „warum“ zum dunklen Himmel 3)

Das ist kein taktisches Geplänkel, mit dem die Evangelisten die Auferstehung inszenierend einläuten: nein, - das ist bittere Realität.

Wer etwas vom wahren Leben versteht, der hat von der schwarzen Nacht der Gottverlassenheit – zumindest – eine Ahnung.

Ich bin froh darüber, dass die Heilige Schrift diese dunkle Seite des Lebens nicht vorschnell ausblendet. Nein, sie lehrt uns genau hinzuschauen und die Augen vor der Realität nicht zu verschließen.

Um es ganz klar zu sagen: die Theologie macht es sich nicht leicht mit der sog. Osterbotschaft. Sie steht zu allen Zeiten vor der Aufgabe, das, was man eigentlich nicht in Worte fassen kann, worüber man aber auch nicht schweigen darf, letztlich doch sagen zu müssen.

Es ist nicht einfach, über die Auferstehung Jesu Christi etwas Vernünftiges und auch Verbindliches zu sagen.

Mit dieser Herausforderung sind wir bei den Schreibern der Evangelien in bester Gesellschaft. Auch und gerade sie tun sich schwer, das, was doch die Mitte unseres Glaubens ausmacht, in Worte zu kleiden.

Deshalb lesen wir da zunächst auch vom blanken Entsetzen.  4)  Dann von massiven Zweifeln 5) und letztlich vom zögerlichen, aber steten Begreifen 6)

Die Auferstehung Jesu ist ja nicht gleichzusetzen mit Mirakeln, frommen Wundererzählungen, wo der moderne Mensch nur lächeln kann. Nein, hier geht es um die grundsätzlichsten Elemente, die bis zum Grund der Welt reichen, 7) die unser innerstes Menschsein ausmachen: es geht um Tod und Leben.

Von Beidem haben wir Erfahrungen zur Genüge. Wir sehnen uns nach Lebendigkeit, und wenn sie uns geschenkt wird, dann kosten wir sie dankbar aus. Aber wir sterben auch die vielen Tode mitten im Leben, - Erfahrungen, vor denen letztlich keiner verschont bleibt.

In den Spannungsfeldern unseres Daseins wechseln sich die Erlebnisse von Tod und Leben ab. Oft halten sie sich die Waage. Am sichtbaren Ende aber steht der Tod. Darum kommt kein Geschöpf vorbei.

Was aber ist nun das Neue, das Unverhoffte, der Einbruch der Osterbotschaft?

Zunächst ganz nüchtern: der Tod und seine vielen Vorboten, - und dann vor allem der abwesende Gott, der nicht antwortet – das alles muss im Leben wirklich ausgehalten werden. Wenn ein Mensch das kann, darf er sich gläubig nennen.

Nicht treffender kann man es sagen, als mit den Worten des Glaubensbekenntnisses: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes. 8)

Ja, Christus hat diese Nacht bis zum Äußersten selbst durchlitten und er wird in Treue in den Gräbern von uns  Menschen ausharren und uns in unserer Trostlosigkeit die Hand halten, bis er am Jüngsten Tag endgültig den Tod vernichtet hat.

Die letzte Antwort kann nicht von uns  kommen. Der Vater selber hat sie gegeben. Scheinbar abwesend, war er doch da. Den unbändigen Kampf zwischen Leben und Tod hat Gott entschieden: 9) Leben – inmitten einer Welt des Todes.

Was ist neu? Am Ende siegt das Leben, denn Christus ist wirklich auferstanden!

Was macht es uns so schwer, diese Antwort aus Gott glaubend anzunehmen?

Es ist eindeutig die unbestreitbare Tatsache, dass der Karfreitag der Menschheit fortdauert. Der Tod in seinen vielen Nuancen wird ganz gewiss auch unser Leben künftig mitbestimmen. Aber, der Tod hat uns seit Ostern nicht mehr im Griff. Der Stachel und der Sieg des Todes ist gebrochen. 10)

Und deshalb gilt uns, gilt der ganzen Welt die Zusage des Auferstandenen: „Habt keine Angst! Fürchtet Euch nicht!“  11)          

                                                              Wolfgang Kesenheimer, Pfr.

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1)   Introitus zum Hochamt des Osterfestes: Resurrexi, et adhuc tecum sum.

2)   vgl. Josef Mohr. Predigt am Ostersonntag. 12.4.2009 St. Raphael / Heidelberg. Zitiert nach:

      www.st-raphael.kath-hd.de

3)   vgl. Mt. 27, 46

4)   vgl. Mk. 16, 6

5)   vgl. Mt. 28, 8. und  vgl. Mk. 16, 13

6)   vgl. Mk. 16, 14

      u. vgl. Lk. 24, 25

      u. vgl. Joh. 20,25

7)   vgl. Karl Kardinal Lehmann. In: Rhein-Neckar-Zeitung. Osterausgabe 2011. S. 1

8)   aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis der Kirche

9)   vgl. Lehmann. ebd.

10) vgl. 1 Kor 15, 55

11)  Mt. 28, 10

Menschen am Kreuzweg – Menschen, wie du und ich

Samstag, 11.04.

Die Trauernden

7.Die Treuen20

 

Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu.  Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu überlassen. Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. Auch Maria aus Magdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem Grab gegenüber. Mt 27, 57-61

Da ist diese große Leere. Man kann nichts mehr tun.

Die Frauen sitzen dem Grab gegenüber, voller Trauer und Schmerz.

Jesus ist tot, alles was sie sich erhofft haben, ist mit ihm gestorben.

Es bleibt eine große innere Dunkelheit, das Gefühl den Boden unter den Füßen verloren zu haben und der Schmerz, der fast das Herz zerreißt.

Aber sie bleiben. Sie sitzen dem Grab gegenüber und harren aus, in Liebe und Treue.

Der Tod eines geliebten Menschen stellt das Leben völlig auf den Kopf. Und gerade dann, wenn der Verstorbene im Grab liegt, wenn endlich Ruhe einkehrt, dann kommt mit aller Macht die Trauer, die Ohnmacht und die Hilflosigkeit.

Es ist erst einmal alles getan und jetzt? Jetzt bin ich ganz auf mich geworfen und muss die Grabesruhe aushalten – mit all ihrem Schmerz, mit aller Angst und Verzweiflung, mit all ihren Tränen, in Liebe und Treue.

Guter Gott, wir beten heute für alle Trauernden. Stehe ihnen bei in ihrem Schmerz, in ihrer Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Begleite sie auf dem Weg der Trauer und führe sie zur Hoffnung des Ostermorgens. Amen

 

B. Hintermayer-Tilly

 


 

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