Geistliches Wort zum 3. österlichen Sonntag

 

Verkündigungstext: Lk. 24, 13-35
„Emmaus“


Gerne vergleicht man unser menschliches Leben mit einem Weg.
Manche Phasen des Lebens durchhüpft man mit Leichtigkeit, andere durchschreitet man mit
weit ausgeholten Schritten.
Oftmals tritt man auch auf der Stelle.
Zum Gehen gehört aber nicht nur das Stehenbleiben, sondern auch das Fallen. Manchmal
ist es ganz steinig, unwegsam und mühsam.
Letztlich muss man aber sagen: Mühevoll oder leicht, – man kommt mit jedem Schritt dem
Ziel näher.
Das Leben durchschreiten heißt aber auch: Wachsen und reifen. Diese Erfahrung dürfen wir
selber machen und andere an uns.
Mit der geschenkten Reife wandelt sich auch unsere Sicht der Dinge. Was wir früher
übertrieben wichtig nahmen, lassen wir heute links liegen. Gelassenheit, Weitsicht, Offenheit,
- das sind Früchte, die einem erst nach langem Gehen geschenkt werden.
Auch unser Glaube erfährt dabei Wandlung und Reife. Wir glauben heute anders als früher.
Glaube muss heute vielen Dingen standhalten. Er lebt von der ständigen
Auseinandersetzung mit dem Leben selbst, vom Gespräch mit anderen, vom betenden
Tasten, Suchen und Fragen.
Was ich Ihnen hier erläutere, hat Lukas in seiner unnachahmlichen Ermauserzählung
eingefangen und ausgedrückt.1)
Die Botschaft lautet: Du bist niemals allein auf dem Weg. Manche Weggefährten werden Dir
geschenkt, andere musst Du Dir selber aussuchen. Bleibe mit ihnen im Dialog. Lebenslang.
Du wirst die Erfahrung machen: der Herr gesellt sich dazu.2) Er ist irgendwie immer
mittendrin und dabei.
Aber er kommt auf ganz leisen Sohlen.
Schick ihn niemals weg. Gib ihm nicht den Laufpass! Lade ihn ein, zu bleiben!3)
Dann bricht er auch Dir das Brot,4) was heißen will: Er gibt Dir Teil an seinem Leben,
überschüttet Dich ungeahnt mit seiner Liebe.
Halte an Christus fest5), der Dein Leben begleitet.
Dann gehen auch Dir die Augen auf und Du darfst IHN erkennen: „Mein Herr und mein Gott!“6)


Wolfgang Kesenheimer, Pfr.

 

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1) vgl. Lk 24,13 - 35
2) vgl. Lk 24,15
3) vgl. Lk 24,29
4) vgl. Lk 24,30
5) vgl. jener unnachahmlich schöne Christushymnus aus dem Stundenbuch: „Christus, göttlicher Herr“ ….
hier: „an Dir halte ich fest, suche Dich, folge Dir nach“
In: Die Feier des Stundengebetes. Stundenbuch. Für die katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebietes.
Band II. S. 582
6) Joh. 20, 28

 


 

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