Geistliches Wort zum 2. österlichen Sonntag –
„Weißer Sonntag“


Verkündigungstext: Joh. 20,19-31

Als am Morgen des Ostersonntags die Glocken zu läuten beginnen, lässt Joh. Wolfgang von
Goethe seine „literarische Figur“ Dr. Faustus sprechen: „Die Botschaft hört’ ich wohl. Allein,
mir fehlt der Glaube.“
Goethe fasst in diesem oft zitierten Wort das Lebensgefühl seiner Zeit zusammen, dessen
Hauptvertreter – zusammen mit anderen er wohl gewesen ist: die Zeit der Aufklärung, –
jene Epoche, wo sich die Menschen von Aussagen der Kirche, die damals nicht hinterfragt
werden durften, lösten. Eine Epoche, wo man die Naturwissenschaften neu entdeckte und
darin allein einen gesicherten Wahrheitsgehalt festzumachen versuchte.
In der „Gärphase“ dieser Epoche war es regelrecht eine Abkehr von Glaube und Kirche, weil
Intellektuelle glaubten, von ihren Aussagen hinters Licht geführt zu sein.
Erst spätere Zeiten, im Grunde erst die Theologien von Karl Rahner; Urs von Balthasar und
Joseph Ratzinger vermochten es, die glückliche und notwendige Verbindung zwischen
Wissenschaft und Glauben wieder her zu stellen. Deshalb durchzieht bei Ratzinger der
Begriff eines denkenden, vernünftigen Glaubens auch seine gesamte Theologie.
Man täte den Schreibern der Evangelien, und vor allem Paulus völlig unrecht, würde man sie
eines unüberlegten, rein auf Gefühlen, ja auf Schwärmereien aufgebauten Glaubens
bezichtigen....

 

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