Aktuelles

Menschen am Kreuzweg – Menschen, wie du und ich

Freitag, 10.04.

Der Mit -Tragende

Dann führten sie Jesus hinaus um ihn zu kreuzigen. Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Cyrene, zwangen sie sein Kreuz zu tragen. Mk 15, 20-21

 

 

Simon kommt gerade vom Feld, er hat schwer gearbeitet, vielleicht tut ihm alles weh.

Er ist einfach nur froh fertig zu sein und will nur noch nach Hause.

Und dann wird er gezwungen, diesem Mann das Kreuz ein Stück zu tragen.

Er hat in diesem Moment keine Wahl.

Simon trägt das Kreuz von Jesus ein Stück.

Er muss das Kreuz mit all seinen Schmerzen auszuhalten.

In diese Situation werden auch wir gestellt und auch wir haben dann oft keine Wahl. Da wird mir etwas aufgeladen, das wie eine schwere Last auf mir liegt, mich belastet. Krankheit, Arbeitslosigkeit, der Tod eines geliebten Menschen, ein Unfall, ein schweres Zerwürfnis mit einem Menschen – jeder von uns kann das ergänzen, jeder von uns hat sein eigenes Kreuz.

Dem Kreuz im Leben kann ich nicht ausweichen. Ich kann es nicht verdrängen. Ich kann es aber tragen – wenn auch mit Schmerzen.

Das braucht Mut und Kraft.

Diese Schmerzen gilt es auszuhalten.

Ich blicke auf Jesus. Er hat das schwere Kreuz auf sich genommen, er trägt es für alle Menschen, auch für mich. Er trägt mein Kreuz mit, weil ihm nichts fremd ist und weil er mich liebt.

Und es gibt Menschen, wie Simon, die mir helfen mein Kreuz zu tragen, die mich ein Stück auf meinem Kreuzweg begleiten. – So werden die Schmerzen weniger.

Hoffen wir im Schmerz des Kreuzes auf Wandlung.

Eine Entscheidung.

Eine Hilfe.

Eine Änderung.

Ostern.

B. Hintermayer-Tilly

Geistliches Wort zum Karfreitag

 

Muss man am Karfreitag traurig sein?

Manche denken so, und kommen erst gar nicht, denn sie mögen das Schwere nicht. Es belastet sie, zieht sie runter, wie sie sagen.

Für mich hat der Karfreitag eigentlich nichts Trauriges. Die Liturgie ist nicht melancholisch, oder nieder gedrückt, sie ist vielmehr ernst und erhaben, und sie strahlt – ohne menschliches Zutun  aus sich selbst, sie weckt Hoffnung, gibt Perspektive. Das sehen wir gerade in diesem Jahr geistig vor uns, wo wir die Liturgie nicht feiern können.

Die Römer führten einst viele Schlachten. Sie hatten die Idee, die ganze Welt zu erobern. Es gab Niederlagern, - vor allem aber jede Menge Siege, welche gebührend gefeiert wurden. Dabei wurden die Feldzeichen, also jene Erkennungsmarken und –bilder, welche die Truppen auf dem Feld im Getümmel der Schlacht zusammen hielten, feierlich hereingetragen. Sie wurden dem Kaiser vor dessen Einzug in die Arena des Sieges voran getragen: festlich blinkend, stolz strahlend.

Die Christen, die doch eher Pazifisten waren, mussten die Zeremonien der römischen Siegesfeiern wohl oder übel über sich ergehen lassen. Dabei schälte sich ein Gedanken immer deutlicher heraus. Sie sagten: Das ist doch der Sieg, der die Welt überwunden hat: Christus – und unser Glaube an ihn.1)

Also: Wenn wir Gottesdienst feiern, dann lasst uns doch so eine Trophäe machen, so ein Siegeszeichen, das unsere Hoffnung bezeugt und darstellt. Das Kreuz, - also nicht mehr als Schandpfahl, sondern als das, was es in Wirklichkeit ist. das Siegeszeichen des Erlösers, der vom Kreuz her herrscht, dessen Macht seine unbezwingbare Liebe ist.

Nicht mehr der Kaiser, so die Christen der ersten Jahrhunderte, verdient unsere Huldigung, sondern der erhöhte Christus.

Weihrauch und Kerzen als Zeichen absoluter Verehrung galten fortan in den Feiern der jungen Christengemeinden nicht mehr dem weltlichen Herrscher, sondern unserem Herrn. Diese wahrhaft kaiserliche Trophäe, das Kreuz, wird bis heute in allen festlichen Gottesdiensten beim großen Einzug voran getragen. Damit ist gesagt: Schaut auf das Kreuz, schöpft Hoffnung, verehrt unseren Herrn:

Am Karfreitag hält das Kreuz wahrhaft seinen Siegeszug. Verhüllt wird es herein gebracht. Auf das, was verhüllt ist, schauen wir mit Spannung, Erwartung und Neugierde.

Dann wird es uns vorgehalten, präsentiert, nicht mehr als Schmerzenspfahl, sondern als Siegestrophäe, an der wir Christus erkennen und anbeten.

Das Leid sehen wir an allen Tagen des Jahres: in den Zeitungen und Nachrichten, in der Nachbarschaft und bei Freunden, ja sogar im eigenen Leben. Wir sind dem Leid ausgesetzt und können ihm nicht entrinnen. In diesem Jahr der Krise ganz besonders.

Christentum hebt das Leid nicht auf, es kann das Leid auch nicht erklären. Am Karfreitag, wird uns vielmehr der Mensch gezeigt, der wie kein anderer gelitten hat, dessen Schmerzen unsagbar groß, roh und grausam und vor allem ungerecht waren.

Kein billiger Trost am Karfreitag, sondern das Siegeszeichen, - Christus, der im tiefsten Schmerz das Leid getragen und damit überwunden hat.

Nein, der Karfreitag ist kein trauriger Tag! Er ist ein Tag tröstlicher Zuversicht. Und deshalb beten und bekennen wir an diesem Tag auch mit Abermillionen Christen auf der ganzen Erde: Heiliges Kreuz, sei gegrüßt, du einzige Hoffnung!2)

                                                                                                                      Wolfgang Kesenheimer, Pfr.                                                                                                                   

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1)   vgl. 1 Joh. 5,4

2)   vgl. Thomas von Kempen. Nachfolge Christi

    Und: Hymnus zur Vesper der Karwoche. In: Stundenbuch der Kirche. 2. Band. Einsiedeln (u.a.) 1978,     S.176

 


 

 

„Corona“ und Ostern 2020!

 

Wir erleben gerade eine sehr außergewöhnliche und ungewisse Zeit – für die Welt und für unsere Kirche. Ungewiss ist, wie lange diese andauern und wie sich dadurch unser Leben verändern wird.

Für uns Christen steht trotz allem fest:

An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu und seinen Sieg über den Tod!

Das ist nicht abgesagt!

Gerade deshalb wünschen wir allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein frohes und gesegnetes Osterfest, schöne Feiertage im engsten Familienkreis und viele wertvolle Begegnungen z. B. am Telefon oder über soziale Medien.

Gerne geben wir noch den Rat des Jesuiten P. Sintobin SJ weiter: „Und schließlich vergesst in all dem nicht, zu leben und das Leben zu genießen. Was immer auch geschieht, jede Sekunde, die Euch geschenkt wird, ist ein einzigartiges und wertvolles Geschenk. Daran kann auch das Coronavirus nichts ändern.“

Bleiben Sie gesund und leben Sie!

 

Ihr Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit Bad Schönborn-Kronau

Menschen am Kreuzweg – Menschen, wie du und ich

Donnerstag, 09.04.

Die Schaulustigen (oder Gaffer?)

5.die Schaulustigen20

 

Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde. Sie übernahmen Jesus. Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. Joh 19,16-17

Die Menschen bleiben, sie wollen sehen, wie das Schauspiel weitergeht, wie er sich schlägt, der König der Juden – und, wie er geschlagen wird.

Sie schauen zu, wie er fällt und sich wieder aufrappelt, wie er schließlich ans Kreuz geschlagen wird und stirbt.

Sie bleiben und wollen sehen was passiert. Die Gründe sind sicher sehr unterschiedlich: Sensationslust, Schadenfreude, das Gefühl selbst davon gekommen zu sein, Mitleid, Machtlosigkeit…….. Sie haben eines gemeinsam, diese Schaulustigen:

Sie bleiben und schauen – aber sie greifen nicht ein.

Mehr als 2000 Jahre später:

Ein Unfall auf der Autobahn, es entsteht ein Stau – natürlich, aber es entsteht auch ein Stau auf der Gegenfahrbahn, wegen „Gaffern“.

Unsere Sensationslust ist ungemindert. Egal welches Unglück passiert, ruckzuck versammelt sich eine Menge Schaulustiger, die möglichst nah am Geschehen sein will, um ja nichts zu verpassen. Ein paar wenige helfen, wie damals am Kreuzweg, Simon von Cyrene, oder Veronika. Sie müssen sich vielleicht erst einen Weg bahnen und wahrscheinlich auch noch gute Ratschläge anhören.

Die anderen aber bleiben und schauen. Aber im Gegensatz zu damals versucht man, das was man sieht möglichst schnell anderen mitzuteilen. Man zückt das Handy, filmt, fotografiert und postet. Und manchmal sind in den sozialen Netzwerken schon die ersten Bilder, bevor es die Rettungskräfte überhaupt geschafft haben, vor Ort zu sein.

Jesus wurde auf seinem Kreuzweg von den Schaulustigen verspottet und verhöhnt.

Jemand der heute in Not gerät, wird durch die Bilder, die über seine Notlage veröffentlicht werden bloßgestellt.

Es hat sich nichts geändert – wir Menschen haben uns nicht geändert.

Ich bin entsetzt!

Wirklich?

Die Schaulustigen – wer ist das? Bin ich das nicht auch?

  • Wenn ich versuche nach einem Unglück möglichst schnell an Informationen zu kommen, um mitreden zu können.
  • Wenn ich viel zu langsam an einem Unfall vorbeifahre, um vielleicht ein paar Details zu erhaschen, die ich weitererzählen kann.
  • Wenn ich eine Auseinandersetzung, oder ein Unrecht beobachte und dann schnell weitergehe, damit ich nicht hineingezogen werde.
  • Wenn ich einen Bettler am Wegrand sehe und auf die andere Seite wechsle.

Es gibt so viele Situationen bei denen ich etwas tun könnte und doch nicht tue, bei denen ich helfen könnte und doch nicht helfe.

Genau deshalb Jesus hast du das Kreuz auf dich genommen!

 

B. Hintermayer-Tilly

 


 

Geistliches Wort zum Gründonnerstag

 

Als die Evangelisten die ehrwürdigen, wie gefüllten Worte vom Ablauf des Abendmahles niederschrieben, da konnten sie bereits auf die vieljährige Erfahrung des Vollzuges dieses Geschehens zurückgreifen. 1)

Denn bald nach der Auferstehung des Herrn begann man, sich in den Häusern zu treffen und das, was Jesus beim letzten Mahl tat, nachzuvollziehen. Man entdeckte in diesem Vollzug des ganz Großen, wie Unbegreiflichen ein ungeheueres Potential.

Der Wunsch, die Szene des Abendmahles nachzuvollziehen, je neu zu erleben, empfand man von Anfang an als sinnstiftend, als Gemeinde-bildend und einigend und als kraftvoll den Glauben stärkend.

In den Häusern bildeten sich Gemeinschaften. Man brach das Brot in herzlicher Gläubigkeit 2) und erfuhr auf diese Weise Jesus als den Anwesenden, der durch den Tod  zum Leben hindurch gegangen ist. Das war der Anfang dessen, was wir „Kirche“ nennen.

Als die Evangelisten ihre Berichte niederschrieben, waren die Worte des Abendmahles schon in Fleisch und Blut der Gläubigen; ritualisiert in gehobener Sprache; hoheitlich, fast verklärt geben sie Zeugnis von Christus, der an diesem Abend geistig sein ganzes Leben bündelt und in nie da gewesener Einzigartigkeit in Brot und Wein hinein verschenkt.

Es kann nicht oft genug betont werden: Dieser Vorgang, dass einer sich bleibend hinein verschenkt in die Gaben der Schöpfung und der Erde, ist in der ganzen Religionsgeschichte einzigartig und einmalig.

Allein schon diese Tatsache ist für uns Christen ein heiliges Vermächtnis, ein großer Schatz, den wir als Kostbarkeit hüten sollen.

Gewiss-, dem Phänomen des Opfers begegnen wir in fast allen Religionen. Die Blickrichtung und  Intension ist aber jeweils eindeutig: die erzürnte Gottheit muss versöhnt werden. Um dies zu bewerkstelligen, hat der Mensch Leistung zu vollbringen. Selbst im Alten Testament ist der Begriff des Opfers noch mit dieser Gottesvorstellung verbunden: Gott, der seinen Tribut fordert und uns nach vollzogenem Opfer wieder sein gnädiges Angesicht zuwendet.

Lediglich Jesaja und Jeremia gehen über dieses einseitige Gottesbild hinaus. Sie beschreiben bereits einen, der sich in Zukunft aus Freiheit opfern wird, der sich selbst für die Menschen zum Opfer macht. 3)

Im Vollzug des Abendmahles korrigiert Jesus alle bisherigen Vorstellungen über Gott. Er ist nicht mehr der eifersüchtelnde, rachsüchtige Gott, der Genugtuung fordert, sondern der Gott der Liebe, der in der vom Menschen gewollten und freiwillig vollzogenen Hingabe erkannt wird.

Diese Erkenntnis beantwortet auch die Frage, woher denn Jesus die Berechtigung, die Autorität nimmt, sein Leben in Brot und Wein hinein zu schenken.

Wäre es bei diesem – zugegeben starken Zeichen – geblieben, so wäre das Abendmahl eine reine Symbolhandlung, die wir heute höchstens in Erinnerung an das Gewesene nachstellen könnten.

Ohne die freiwillige Opferung seines Lebens am Kreuz wäre das Abendmahl nicht verständlich. Es wäre wie eine Währung, ohne Deckung, 4) wie ein Zeichen, ohne Inhalt. Erst der freiwillige Opfertod Jesu, erst dieses Eintreten des Unschuldigen für die Schuldigen gibt dem Geschehen des Abendmahles dieses gewaltige Gericht, das es bis auf den heutigen Tag besitzt.

Durch den Begriff der Freiheit, in der Jesus für uns Menschen eingesprungen ist, bekommt das Wort „Opfer“ eine völlig neue Bedeutung. Indem sich Jesus liebend dem Vater hingibt, zeigt uns der Vater sein wahres Angesicht, das nichts anderes ist, als grundlose, voraussetzungslose Zuwendung zu uns Menschen.

Immer wenn Jesus seine Hingabe in der Eucharistie erkennen lässt, immer wenn wir an dieser bedingungslosen Liebe teilhaben dürfen, zeigt uns der göttliche Vater sein Angesicht.

Wenn wir hier über die Hingabe des Herrn und über unsere Teilhabe daran nachdenken, dürfen wir nicht vergessen, dass der Begriff des Opfers schon oft in der Geschichte missbraucht wurde: sein Leben opfern für Führer, Volk und Reich. Sein Leben opfern für den Sieg des Kommunismus und des Sozialismus.

Wie leicht kann der Wert des Opfers durch Fanatismus pervertiert werden.

 

Ein Faktum scheint wie der geistige Motor des wahren Opfers: der Mensch wächst über sich hinaus, - überschreitet seine Schwellen, seine Kleinheit, seine geistige Begrenztheit.

Den wahren Wert des Opfers erkennen wir darin, ob es aus Freiheit und vor allem aus Liebe gebracht wird. Die Liebe verwandelt letztlich jedes Opfer hinein in die göttliche Dimension. Nur von daher können wir das uns theologisch gefüllte Wort von der „Wandlung“ verstehen. Sie ist nicht ein undurchschaubarer Hokus pokus, sondern die Gestalt gewordene, freiwillig liebende Hingabe, wie sie uns Jesus in reinster Form dargeboten hat.

Für uns heißt das: wir können nur mit Christus leben, wenn wir in sein Opfer eingehen.

Den Weg dahin öffnet uns Sonntag für Sonntag die heilige Liturgie.

Sie muss sich allerdings bewähren; sie muss ihre innere Wahrheit und Stimmigkeit zeigen in unserem alltäglich gelebten, christlichen Leben. „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr tut, was ich an euch getan habe.“ 5)

Lassen wir es also zu, dass der Herr immer wieder unsere müden Herzen ergreift, dass er uns in Bann zieht, wie damals die Jünger im Abendmahlssaal, - dass er uns hinein nimmt in sein Lebensopfer, damit so die Herrlichkeit seines Vaters offenbar wird.

                                                                                                            Wolfgang Kesenheimer, Pfr.

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1)    Die Zeit zwischen Leiden und Sterben des Herrn und der schriftlichen Fassung der Evangelien, sowie des

       1. Korintherbriefes ist die Epoche, in der sich die Urgemeinden etablieren. Gemeindestiftend war dabei die

       wöchentliche Feier der Eucharistie in den Häusern, wie dies in der Apostelgeschichte (2, 42) bezeugt ist.  

2)    vgl. Apg. 2, 42 ff

3)    vgl. Jes. 52, 13 – 53, 12

4)    vgl. Joseph Ratzinger.  Eucharistie – Mitte der Kirche. München 1978. S. 30

5)    Joh. 13, 15

 


 

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